Mittwoch, 20. März 2013
Stilfragen
Ich wundere mich. In letzter Zeit habe ich eine Menge Krimis gelesen, zumeist aus renommierten Verlagen, und bin sehr enttäuscht. Kein einziges Buch war dabei, von dem ich sagen könnte, es war rundum ein Genuss. Irgendetwas störte immer, machmal nur mangelnde Recherche. Ganz oft diese: Im Krimi gibt es neuerdings häufig Ermittlungen durch das LKA, der Niedersächsische Tatort ist vielleicht das bekannteste Beispiel. Mir scheint, ein Polizeipräsidium, eine Mordkommission reicht nicht mehr. Realität hin oder her, nur das LKA macht was her. Dass es bei gewöhlichen Mordfällen gar nicht zuständig ist, wen schert es?
Ich ärgere mich manchmal über Stilblüten, die zeigen, dass nicht einmal mehr auf Lektoren Verlass ist. Die "weiträumigen Landschaften" mögen als kleines Beispiel dienen. Aber gut, vielleicht war das nur ein Versehen, da will ich nicht kleinlich sein.
Kleinlich bin ich in anderen Fällen: Es gibt zwei Formalien, die mir in letzter Zeit vermehrt ins Auge stechen. Jeder Autor weiß, es gibt verschiedene Erzähltechniken, und jeder Autor muss sich am Anfang für eine Möglichkeit entscheiden. Wie will ich meine Geschichte erzählen? Wähle ich einen auktorialen Erzähler? - Wohl nicht, der ist aus der Mode gekommen. Also nehme ich eine Perspektivfigur oder sogar mehrere. Wie auch immer man sich entscheidet, jede Figur bekommt einen eigenen Bereich, sei es ein ganzes Buch, einzelne Kapitel, einzelne Szenen. Der jeweilige Teil gehört dann einer Figur, aus deren Sicht erzählt wird.
Das klingt einfach und einleuchtend ... Tatsächlich lassen sich viele Autoren dazu verführen, hin und wieder einen Ausflug in einen anderen Kopf zu unternehmen, einen Satz, eine Bemerkung, einen Absatz aus der Sicht einer anderen Person einzustreuen, um dann wieder zur eigentlich Perspektivfigur zurückzukehren. Das finde ich zum Teil verwirrend, zum Teil überflüssig und zum Teil einfach schlimm. Verzeihlicher sind da für mich - das ist natürlich völlig subjektiv - eher Schwenks von der Perspektivfigur zu einer allwissenden Erzählweise.
Das zweite Manko betrifft Dialoge. Schwer in Mode sind Formulierungen wie beispielsweise: "Ach, soetwas soll er gesagt haben?", wunderte sich x. "Ich glaube es ja auch nicht", zweifelte y.
Früher hieß es, das geht gar nicht. Sagen, fragen, schreien, rufen und dergleichen - ja. Aber wundern, zweifeln ...? Das es angesichts der vielen Autoren, die sich dieses Stils jetzt befleißigen, neuerdings kein Problem mehr zu sein scheint, macht es in meinen Augen nicht besser.
Mag sein, ich bin zu kleinlich, betrachte ein modernes Stilmittel arrogant als Unvermögen. Mag sein. Und natürlich hat jeder seine eigenen Vorlieben. Aber ich finde, ein Autor sollte die Regeln kennen, bevor er dagegen verstößt. Natürlich ist niemand vollkommen, ich auch nicht. Aber über ein paar Grundlagen sollte man als Autor schon verfügen, denn erst dann kann ich überhaupt eine Entscheidung treffen. Und ich bin mir sicher, der Leser wird es bei der Lektüre merken.

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Bin gerade über den Eintrag gestolpert. Ist Ihnen Simon Beckett und seine Hauptfigur David Hunter ein Begriff?
Ich nehme an, sehr wahrscheinlich schon. Falls nicht - dieser Autor beeindruckt mich persönlich immer wieder und ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.

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